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Mythen und Sagen aus dem Fichtelgebirge

Diese Geschichten sind aus dem Buch "Geister, Ritter, Fabelwesen". Eine sagenhafte Reise durchs Fichtelgebirge von Harald und Willy Herrmann, erschienen im Heinrichs-Verlag ISBN 3-89889-055-4/ISBN 978-3-89889-055-7.

Aus dem inneren Hochland des Fichtelgebirges

Spuk im Ehwald

Unheimliches erzählt man sich vom Ehwald und mancher hat dort bereits die schauerlichsten Spukerscheinungen erlebt.

Eines Tages hatte ein Bauer im Wirtshaus von Tröstau einiges über den Durst getrunken. Als Letzter war er schließlich aufgebrochen und hatte sich auf den Heimweg gemacht.

Die kühle Nachtluft tat ihm gut, so dass ihm sein Rausch nicht so viel zu schaffen machte. Als er mit leicht schwankenden Schritten heimwärts ging, musste er an die alten Erzählungen denken. Schon häufig hatte er gehört, dass es nachts im Ehwald nicht geheuer sein soll. Angst stieg in dem Bauern hoch, als er so allein durch den finsteren Wald schritt.

Bei Wurmloh angekommen, konnte er in der Ferne bereits die Lichter von Mühlbühl erkennen. Forschen Schrittes lief er bergab, als er mit einem Mal vom jenseitigen Ufer eines kleinen Weihers ein sonderbares Geräusch hörte.

Der Bauer lauschte in die Finsternis und konnte deutlich ein Glucksen und Plätschern vernehmen. Nun glaubte er, dass sich dort, auf der anderen Seite des Weihers, ein Nachbar an dem Gewässer zu schaffen machte. Deshalb rief er zu ihm hinüber: „Du kunnst die Oarbat a am Tag b’sorgn!“

Doch wie erschrak der Bauer, als eine hohle Grabesstimme zurückrief: „Erst wasch ich mei’ G’fieder, dann kumm ich amal nüber!“

Als der einsame Wanderer dies hörte, wurde er von Panik gepackt und lief, so schnell er konnte, davon.

Ein anderes Mal trieben einige Bauern aus Tröstau in der Nacht ihre Rinder vom Viehmarkt heim. Im Ehwald passierten dann unheimliche Dinge. Die Tiere wurden unruhig, blieben schließlich stehen und waren durch nichts mehr zum Weiterlaufen zu bewegen. Die Bauern sahen sich ratlos an, denn sie konnten sich das Verhalten der Kühe und Ochsen nicht erklären. Trotz intensiven Suchens, konnten die Männer keinen Grund für die Nervosität der Tiere finden.

Plötzlich hörten die Bauern ein Sausen und Brausen in der Luft, das sich der Herde näherte. Erschrocken blickten sie in die Richtung, aus der das Geräusch kam und sahen zu ihrem Entsetzen eine weiße Gestalt. Ohne ein Wort zu sprechen, schwebte der Geist an den Männern und den Tieren vorüber und flog in Richtung Fahrenbach, wo er sich auflöste.

Als die Erscheinung verschwunden war, kamen die aufgeregten Tiere wieder zur Ruhe und ließen sich problemlos nach Hause treiben.

Am nächsten Tag fand einer der Bauern an einem Baum im Ehwald einen Fetzen von einem weißen Schleier.

 

Der sonderbare Zwerg auf dem Schlossberg

Vor vielen Jahren lebte auf dem Schlossberg von Thierstein ein Zwerglein, das in der Gegend durch allerhand Streiche bekannt war. Nächtliche Wanderer, die sich in die Nähe des Schlosses wagten, wurden plötzlich mit einem Sand- und Steinregen überrascht. Wenn die so erschrockenen Personen dann Hals über Kopf das Weite suchten, hörten sie hinter sich den Kobold schallend lachen.

Häufig ging der sonderbare Zwerg aber auch in die Häuser, die in der Umgebung des Schlosses lagen und foppte die Menschen dort mit seinen merkwürdigen Umtrieben. Die Leute hörten den Gnom zwischen dem Geschirr rumoren, aber nie ging irgendetwas zu Bruch. Außerdem hatte der Zwerg großen Gefallen daran, den Menschen ihr wichtigstes Lebensmittel, nämlich das Brot, zu verstecken und Langschläfern rückte er damit zu Leibe, dass er sie unsanft an den Haaren aus dem Bett zog. Die Mägde der Bauern neckte der sonderbare Geselle am liebsten am Brunnen.

Weil er außer seinen ungewöhnlichen Scherzen aber niemandem ernsthaft schadete, im Gegenteil er oft beim Verrichten der Hausarbeit tatkräftig zur Hand ging, hatte man den Zwerg überall gern.

Als eines Tages zufällig ein Feilenhauer, der die Kenntnis im Bannen von Geistern und Kobolden besaß, an dem Schloss vorbei kam, fing er den Zwerg ein und trug ihn fort. Noch lange haben die Thiersteiner ihrem sonderbaren, neckenden Gesellen nachgetrauert.

 
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